Kompetenzorientierung im Nebel – warum wir eine gemeinsame Sprache brauchen

Paula Duwan

1/7/20262 min read

Ob Future Skills, Schlüsselkompetenzen, 21st Century Skills oder Core Competencies: Wer sich mit kompetenzorientierten Ansätzen beschäftigt, stösst immer wieder auf dasselbe grundlegende Problem. Wir sprechen viel über Kompetenzen, aber oft nicht dieselbe Sprache.

Die Metastudie „Future Skills 2025“ der NextEducation Research Group bringt dieses Problem sehr klar auf den Punkt. Am Beispiel von Future Skills, aber mit Bedeutung weit über diesen Bereich hinaus – beschreibt sie eine Begriffslandschaft, die wie Inselgruppen im Nebel wirkt: ähnlich geformt, aber schwer miteinander zu verbinden. Begriffe, Metaphern und Ordnungssysteme unterscheiden sich, obwohl häufig ähnliche Inhalte gemeint sind.

Das ist kein exklusives Future-Skills-Phänomen. Es ist ein strukturelles Problem der Kompetenzorientierung insgesamt. Über Jahre hinweg sind zahlreiche Modelle, Frameworks und Kompetenzkataloge entstanden. Sie alle verfolgen berechtigte Ziele, doch gemeinsam erzeugen sie eine Situation, in der Vergleichbarkeit schwierig wird und Verständigung zur Herausforderung.

Gerade Future Skills eignen sich besonders gut, um dieses Problem sichtbar zu machen. Sie sind stark diskutiert, normativ aufgeladen und hoch relevant für Bildung, Organisationen und Gesellschaft. Gleichzeitig fehlt ihnen eine gemeinsame Begriffssystematik. Unterschiedliche Ansätze beschreiben oft sehr ähnliche Fähigkeiten, nutzen dafür jedoch unterschiedliche Worte, Bilder und Kategorien. Was inhaltlich zusammengehört, wirkt sprachlich getrennt.

Die Metastudie wählt deshalb einen interessanten Zugang. Statt sich auf Begriffsdefinitionen zu konzentrieren, schaut sie unter die Oberfläche der Sprache. Sie fragt sinngemäss: Wo überschneiden sich die inhaltlichen Ideen, unabhängig davon, wie sie benannt sind? Auf diese Weise wird sichtbar, dass viele Future-Skills-Ansätze deutlich mehr gemeinsam haben, als ihre Begriffe zunächst vermuten lassen.

Damit wird ein zentraler Punkt deutlich: Das eigentliche Problem liegt weniger in fehlender Substanz, sondern in fehlender Übersetzungsarbeit zwischen Ansätzen. Inhalte existieren, Gemeinsamkeiten sind vorhanden, sie werden nur sprachlich nicht ausreichend miteinander verbunden.

Genau hier sehen wir einen wichtigen Ansatzpunkt. Wenn Kompetenzorientierung wirksam werden soll, brauchen wir mehr als neue Modelle oder zusätzliche Begriffe. Wir brauchen eine gemeinsame, anschlussfähige Sprache für Kompetenzen. Eine Sprache, die Vergleichbarkeit ermöglicht, ohne Unterschiede zu nivellieren. Eine Sprache, die kontextsensibel bleibt und gleichzeitig Orientierung bietet. Und eine Sprache, die Kompetenzentwicklung konkret nutzbar macht – in Bildung, in Organisationen und im gesellschaftlichen Wandel.

Deshalb engagieren wir uns gemeinsam mit Partnern (skills.ch) für die Entwicklung einer solchen gemeinsamen Sprache. Nicht als starres Vokabular, sondern als verbindendes Verständnis, das unterschiedliche Perspektiven integrieren kann. Die Metastudie zeigt sehr deutlich, warum dieser Schritt notwendig ist. Die gemeinsamen inhaltlichen Kerne sind längst da. Die Aufgabe besteht nun darin, sie verständlich und anschlussfähig miteinander zu verbinden.

Future Skills sind in diesem Sinne weniger das Ziel als ein Spiegel. Sie machen sichtbar, wo Kompetenzorientierung an ihre Grenzen stösst – und wo ihr grösstes Entwicklungspotenzial liegt. Die nächste Stufe wird sein, diese Erkenntnisse gemeinsam weiterzudenken und in eine geteilte Sprache zu überführen.

Quelle: Metastudie „Future Skills 2025 – Future Skills im Vergleich“, NextEducation Research Group, insbesondere Seite 34.