Was tun wenn selbstbestimmt organisiertes Lernen Zweifel auslöst?

Paula Duwan
Paula Duwan
18. Oktober 2018

Selbstbestimmtes Lernen ist aktuell Thema in vielen Bereichen der Bildungslandschaft. So gibt es Grundschulen die diesem Prinzip folgen, Homeschooler welche ihre Kinder so begleiten sowie Berufsschulen, welche selbstorganisiertes Lernen einführen. Die Entwicklung an sich ist sehr erfreulich, da dieser Lernstil dem Menschen viel besser entspricht als „inputorientiertes“, von Aussen gesteuertes Lernen.

Wichtig in diesem gesamten Kontext ist zu erkennen, dass es nicht ausreicht wenn Lernen anders, eben selbstgesteuert stattfindet. Es ist unabdingbar wichtig, dass alle Beteiligten (Eltern, Lehrpersonen e.t.c.) die individuelle Entwicklung die daraus resultiert auch akzeptieren können. Solange sich das Kind im Bereich des Gewohnten bewegt und sich so entwickelt wie es sich die Eltern und Lehrpersonen (die Gesellschaft) vorstellen, geht oft alles gut. Entwickelt sich aber ein Kind deutlich langsamer in einzelnen Bereichen kommen bei den Beteiligten schnell grosse Zweifel, manchmal auch Ängste auf ob dieser Lernstil wirklich tauglich ist.

Woher kommen  diese Zweifel?

Seit Jahrzehnten sind wir uns gewohnt dass Kinder Jahrgangsziele erreichen müssen (also auf einem ähnlichen Lernstand sind) und miteinander verglichen werden. Dieses Muster sitzt tief und führt dazu, dass der individuelle Lernstand welcher aus dem selbstgesteuerten Lernprozess erfolgt mit „alten Augen“ beurteilt wird. Individuelle Entwicklungen sollte aber auch individuell beurteilt werden sonst werden falsche Schlüsse gezogen die dann Zweifel auslösen die so nicht notwendig sind.

Welches sind häufigen Fallen im Umgang mit Zweifel und Ängsten?

  • Der Entwicklungsprozess des Kindes wird nicht mit dem Kind selber, sondern mit Anderen verglichen was zu falschen Schlüssen und Zweifel führt.
  • Das Kind wird sehr schnell in eine Abklärung geschickt, die oft nicht notwendig ist, wenn das Kind etwas mehr Zeit bekommt.
  • Die Beteiligten übertragen ihre Ängste unbewusst auf die Kinder, versuchen das Kind „versteckt“ für verschiedene Aktivitäten zu motivieren. Sie wünschen sich unbewusst das von Aussen gesteuerte Lernen zurück. Die Kinder nehmen das unbewusst wahr und kommen in einen inneren Zwiespalt was Blockaden unterstützt anstatt auflöst.
  • Zudem passiert es auch, dass der Fokus schnell auf den fehlenden Ressourcen liegt und alles andere plötzlich weniger Bedeutung beigemessen wird. Der Teufelskreis beginnt.

Was kann ich tun wenn ich Zweifel habe?

  • Oft hilft es schon wenn wir das Blickfeld wieder erweitern und uns bewusst machen was das Kind bereits alles kann (Ressourcenorientierung). In diesem grösseren Kontext gesehen kann das was nicht so schnell voran geht besser eingeordnet werden.
  • Das Überdenken der Lernumgebung kann auch hilfreich sein, denn manchmal benötigen Kinder einfach andere Zugänge als jene die aktuell zur Verfügung stehen.
  • Wichtig ist, dass das Kind die Sorgen der Bezugspersonen nicht mittragen muss da es sonst in einen ähnlichen Zwiespalt gerät wie die Eltern und Lehrpersonen. Kinder haben nicht die nötige Reife um damit umzugehen was sich blockierend auf den gesamten Lernprozess auswirken kann.
  • Es ist hilfreich wenn die Beteiligten ihre eigenen Sorgen ernst nehmen und nach Wegen suchen wie sie diese auflösen können. Weiterbildungsangebote welche die Entwicklung der Kinder im Fokus haben können in diesen Phasen sehr hilfreich sein. Es gibt auch online Seminare welche gut von zu Hause aus besucht werden können und wertvolles Wissen vermitteln (z.B www.neufeldinstitut.de)
  • Eine andere Möglichkeit sich Unterstützung zu holen ist, wenn Eltern und Lehrpersonen in Phasen wo Zweifel auftauchen,sich mit Menschen austauschen welche schon viel Erfahrung haben mit selbstbestimmten Lernprozessen. Sie können dann anhand von Beispielen sehen wie es funktionieren kann und wie andere Entwicklungen verlaufen sind. Gerne kannst du dich auch bei uns melden, sofern du Unterstützungsbedarf hast. Es gibt verschiedene Angebote die in solchen Phasen unterstützend wirken. Manchmal braucht es nur ein zwei Gespräche und manchmal auch etwas mehr.

Fazit: Das Organisieren von selbstbestimmtem Lernen reicht nicht aus damit diese Lernform gelingen kann. Selbstbestimmtes Lernen ermöglichen bedeutet für alle Beteiligten die Fähigkeit zu entwickeln, Individuelle Lernfortschritte zu akzeptieren und mit Zweifeln über den Lernstand der Kinder konstruktiv umzugehen.